
Dalmatiner der Bernhardiner
Seit Kurzem gehört ein Bernhardiner zu unserem Inventar.
Genannt: Dalmatiner.
Wahrscheinlich, weil beides im Tierheim gleich selten vorkommt.
Der Gute ist jung, unerfahren und brauchte das Geld – so würde man das bei einem jugendlichen in der Pubertät wohl sagen.
Das Problem: Er wiegt ungefähr zehn Kilo mehr als ich und verfügt über Allradantrieb.
Er ist dabei schlank, muskulös und groß.
Ich bin vor allem anwesend und … ich.
Bernhard ist ein Hund, der wirklich alles mitbringt, was man für gepflegte Missverständnisse braucht.
Sensibel wie Tinkerbell, aber wenn er hochfährt, dann nicht elegant, sondern wie ein Flummi auf Ecstasy in Übergröße.
Das bedeutet: Selbst wenn er frech wird, muss man ihm möglichst freundlich mitteilen, dass gewisse Ideen hier nicht zur Betriebsphilosophie gehören.
Nicht nur aus pädagogischen Gründen, sondern auch, weil man sonst plötzlich 73,5 Kilo emotionalen Ausnahmezustand an der Leine hat, der gleichzeitig spielt, diskutiert und den Sinn des Lebens hinterfragt.
Zwischen „der will nur spielen“ und „er spielt gerade mit dir“ ist die Grenze bei ihm eher theoretischer Natur – und der Weg bis zum Auslauf hat stellenweise weniger von einem Spaziergang als von einem Drahtseilakt mit Sabberbeteiligung.
Bernhard ist noch kein wirklicher Problemhund. Er ist eher ein unausgereifter Vorschlag mit 73,5 Kilo.


