
Mein Arbeitstag heute, oder: Fachwissen nützt erstaunlich wenig, wenn man es im entscheidenden Moment selbst ignoriert.
Einer unserer Neuen: Rottweiler-Entlebucher-Mix. Beschreibung: schnappt und beißt ohne Vorwarnung.
Naja. Wobei das nicht ganz fair ist. Eigentlich warnt er schon, nur eben nicht auf eine besonders romantische Art und vor allem betrifft es eher Situationen, in denen man etwas von ihm möchte und er anderer Meinung ist.
Ich war mit ihm draußen und merkte eigentlich schon, dass er nicht begeistert von der Idee war, wieder zurück in seinen neuen Zwinger zu gehen. Aber wenn man mit dem Kopf woanders ist, ignoriert man selbst seine eigenen Warnlampen manchmal bemerkenswert konsequent.
Ich bringe ihn also rein, mache Leine und Maulkorb ab und der Kollege positioniert sich direkt vor der Tür. Er wusste offenkundig vor mir, dass ich da auch wieder rausmuss.
Kennste diesen kurzen, kristallklaren Moment, in dem du sofort weißt: Jetzt hast du’s verkackt? Genau der.
Durch die Tür drücken? Schlechte Idee.
Ihn wegschicken? Noch schlechtere Idee.
Gut, dass wir Funken haben. Meine Kollegin hat ihn dann netterweise durch den Schieber in den Innenzwinger gerufen, was deutlich mehr Überzeugungsarbeit gekostet hat, als mir lieb war.
Ob sie mich retten wollte oder einfach keine Lust hatte, den Außenzwinger noch mal zu putzen, bleibt ungeklärt. Ich hoffe mal auf Kollegialität.
Jedenfalls war ich gerettet und beim nächsten Mal ein Stück schlauer – wir haben das am Nachmittag nochmal besprochen, der Kollege und ich.
Vielleicht sollte ich mir meinen tollen Ratschlag tatsächlich als Spicker auf den Handrücken tätowieren:
Sei immer schlauer als der Hund.
Jetzt bleibt nur noch die Frage nach der Schriftart und ob ich dann konsequenterweise auch immer meine Brille dabeihabe.

